In drei Wochen braucht Dein E-Mail-Programm eine neue Rechtsgrundlage — zumindest für alle Abonnenten in Frankreich. Das klingt erstmal weit weg. Ist es aber nicht, wenn Dein Verteiler auch nur eine Handvoll französischer Adressen enthält.

Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat ihre finalen Empfehlungen zur Nutzung von E-Mail-Tracking-Pixeln veröffentlicht. Sie erweitern die Einwilligungspflichten der ePrivacy-Richtlinie von 2003 explizit auf Pixel in E-Mails. Wirkungsdatum: 14. Juli 2026. Für Italien gilt die gleiche Regelung ab Oktober 2026.

Chad White hat das für Zeta Global kompakt zusammengefasst — und ich finde es wichtig, das auf Deutsch weiterzugeben, weil viele deutsche E-Commerce-Betreiber internationale Listen haben und die Tragweite noch nicht auf dem Schirm haben.

Was neu ist und was wirklich betroffen ist

Der entscheidende Punkt:

It's not the collection of open data that runs afoul of these rules, but rather the use of tracking pixel-derived information for particular uses without permission from the subscriber.

Es geht also nicht darum, dass Du keine Öffnungsraten mehr messen darfst. Es geht darum, wofür Du diese Daten nutzt.

Nutzungen, die künftig Consent erfordern:

  • Send-Time Optimization auf Basis von Öffnungszeiten
  • Segmentierung nach Öffnern oder Nicht-Öffnern einer Kampagne
  • Zinsen/Produktinteressen im Profil aus Öffnungsverhalten ableiten
  • Betrugserkennung auf Basis von Öffnungssignalen

Nutzungen, die weiterhin erlaubt bleiben:

  • Aggregierte Öffnungsraten (anonymisiert)
  • Inaktivitätsmanagement für Deliverability-Zwecke (nur letztes Öffnungsdatum, keine Historie)
  • Identitätsbestätigung (z.B. Code-Mails)
  • Rechtliche Nachweispflichten

Was Du für bestehende Abonnenten tun musst

Hier liegt der Handlungsdruck: Wer vor dem 14. April 2026 zugestimmt hat, bekommt bis zum 14. Juli eine Benachrichtigung mit Opt-out-Möglichkeit. Wer danach kein Opt-out eingereicht hat, bekommt eine reguläre Opt-in-Anfrage.

Das ist operativ aufwändig, aber machbar — wenn Du jetzt anfängst. Die Frist läuft ab.

Der größere Trend

Ich sage es gerne deutlich: Apple MPP hat die Öffnungsrate schon 2021 als zuverlässige Engagement-Metrik empfindlich beschädigt. Die CNIL-Regelung beschleunigt nur, was ohnehin passiert: Der Fokus wandert von Opens zu Clicks, Website-Aktivität, Conversions und Cross-Channel-Signalen.

Das ist eigentlich eine gute Entwicklung. Wer sein E-Mail-Programm auf echte Verhaltens-Signale ausrichtet statt auf aufgeblähte Öffnungsraten, arbeitet ohnehin schon besser. Diese Regulierung macht das für alle verbindlich.

Wer Abonnenten in Frankreich oder Italien hat, liest das Original bei Zeta Global — der Artikel enthält auch konkrete Empfehlungen für Consent-Formulare und Profil-Alternativen. Besonders relevant für alle, die Send-Time Optimization aktiv nutzen oder Öffner/Nicht-Öffner-Segmente im Einsatz haben.